Am vergangenen Wochenende sind ja mal wieder die Oldtimer in Giengen eingefallen. Zur Teddybär-Rallye. Ich bin ja nun nicht so ein Wahnsinns-Autofan, aber zu sehen gab’s da schon ein paar nette Flitzer, gar keine Frage. Am besten gefallen hat mir aber die klitzekleine Isetta mit dem klitzekleinen, selbstgebauten Wohnwagen im Schlepptau. Also wer so Urlaub macht – meine Güte, der muss seinen Partner wirklich seeeehr gern haben. Wer bei diesen beengten Verhältnissen zwei gemeinsame Wochen durchsteht, ohne sich an die Gurgel zu gehen, der schafft’s dann auch bis zur goldenen Hochzeit. Aber ganz unabhängig von Beziehungskram ist dieses Isetta-Gespann natürlich auch überaus praktisch. Nach der Rückkehr aus dem Urlaub braucht’s dafür nicht mal eine Garage – einfach zurückstellen auf die Modelleisenbahnanlage – fertig!
Gestern erhielt ich eine SMS eines Heidenheimers, der für einige Tage in Aschaffenburg ist: “Heyo, Heut spielt Samy Deluxe, morgen Thomas D. Was macht Hdh?”
Kann es solche Zufälle geben? Etwa fünf Minunten vorher hatte ich erfahren, dass der angesagte deutsche Rapper Samy Deluxe Anfang nächsten Jahres nach Heidenheim kommt. Wie kann meine SMS-Antwort heißen: “Brandaktuell. Samy Deluxe kommt auch nach Heidenheim – Dis wo ich herkomm” (für nicht Deluxe-Kenner: Einer seiner Hits.)
Viele seiner Texte sind sozialkritisch, er beschäftigt sich mit Rassismus und Rechsradikalismus. Der Rapper singt nicht nur, sondern ist auch oft draußen bei den Kids, um ihnen Mut zu machen, ihr Leben positiv zu gestalten. Ein klasse Vorbild eben. Schön, dass er auch für die Heidenheimer Kids eines wird.
Vor ein paar Tagen ist Bobby Robson gestorben. Wahrscheinlich kennen Sie Bobby Robson nicht. Aber ich kannte ihn. Bobby Robson war mal Trainer der englischen Fußball-Nationalmannschaft, und in meiner Zeit als Sportredakteur sind wir uns zweimal über den Weg gelaufen. Das eine Mal war bei einem Trainer-Meeting von adidas in Herzogenaurach. Da saß Bobby Robson irgendwo zwischen Franz Beckenbauer und Lew Jaschin und erklärte, warum mit seinem englischen Team bei der bevorstehenden Europameisterschaft zu rechnen ist. Er wirkte ebenso sympathisch wie zuversichtlich und gab mir nach einem kurzen Austausch eine persönliche Widmung mit, auf der “Best wishes” stand: See you in Germany!
Als wir uns wiedersahen in Germany wirkte Bobby allerdings, als habe ihm jemand den Plumpudding vergiftet. Die englische Nationalmannschaft hatte in Stuttgart ihr erstes Vorrundenspiel verloren - ausgerechnet gegen Irland, das ausgerechnet von einem Engländer (Jacky Charlton) trainiert wurde. Das ist ungefähr so, als verlöre Jogi Löw gegen das von Berti Vogts trainierte Österreich. “I’m sorry”, sagte Bobby Robson, ”that’s football”, während Jacky Charlton, den sie wegen seines langen Halses “Giraffe” nannten, eine Zigarre rauchte, die ungefähr so lang war wie sein Hals.
Der Hals von Bobby Robson dagegen wurde in den folgenden Jahren immer dicker. Ein geniales Fußball-Pummelchen namens Diego Maradona nahm 1986 die “Hand Gottes” zuhilfe - und wieder musste England vorzeitig eine WM verlassen. Sie versuchten’s noch einmal mit Bobby 1990 in Italien. Aber im Halbfinale schoss Gegner Deutschland die besseren Elfmeter. Wieder war Bobby von allen “best wishes” verlassen und deshalb musste er auch die englische Nationalmannschaft verlassen.
Später erst, als er den FC Barcelona trainierte, war er auch erfolgreich, und man wählte ihn sogar zu Europas Trainer des Jahres. Doch was bleiben wird, ist die Erinnerung an einen Fußball-Gentleman. Während des Elfmeterschießens in Italien nahm er seinen Kontrahenten Beckenbauer in den Arm und sorgte mit freundlichen Gesten für eine emotionale Entspannung – und dafür, dass eine ganze Welt wieder glauben konnte, dass Fairplay eine englische Erfindung ist.
Tja, so kann es manchmal gehen. Auf dem Terminkalender stand: Um 11 Uhr kommt Oberbürgermeister Ilg in den Brenzpark, um sich beim städtischen Kinderferienprogramm als echter Römer zu verkleiden.
Zugegeben: Die HNP wollte den Oberbürgermeister verkleidet in Toga und Loorberkranz unbedingt sehen. Also machte ich mich mit dem Fotografen auf den Weg. “Halt, wir brauchen noch die Dauerkarte für den Brenzpark, sonst kommen wir nicht hinein”, erinnerte mich der Kollege. Stimmt. Recht hat er. Mit dem Smart – dem neuen Presseflitzer – fuhren wir im Regen direkt an den Hintereingang zum Kinderhaus. So nah wie möglich, Fotografen haben es ja immer eilig und vor allem wenn es regnet . . . Schnell nahm ich die Karte, das Licht schimmerte am Automaten grün und schon durfte ich den Brenzpark betreten. Durch die Eingangssperre hielt ich dem Kollegen die Karte entgegen. Pieeeeep. “Ich komm nicht hinein”. Die Karte wurde gesperrt. 30 Minuten dauert es, bis die Karte ein zweites Mal benutzt werden könne, erklärt ihm der Mann vom Haupteingang per Funk. Um diesem Dreheingang zu vermeiden, fuhr der Fotograf schnellmöglichst zum Haupteingang, ich lief derzeit ins Kinderhaus um pünktlich den OB als Römer anzutreffen. Im Trockenen angekommen erfuhr ich, dass Ilg nicht heute, sondern am Donnerstag ins Kinderhaus kommt. Schade. Alles umsonst? Nein. Trotz allem freuten sich die Kinder und zeigten mir mit voller Stolz ihre selbst gebastelten Togas und Haarreife. Der Fotograf kam gleich darauf, auch er war ein wenig enttäuscht, dass der OB heute nicht kommt, knipste aber trotzdem ein paar hübsche Bilder. Im strömenden Regen liefen wir wieder gemeinsam zum Auto, meine Schuhe waren schon leicht durchnässt, der Fotograf lief barfuß.
Eine Bildunterschrift vom städtischen Ferienprogramm im Brenzpark hat bereits eine Kollegin letzte Woche geschrieben. Ein neuer Text hätte also nur Sinn gemacht, wenn der OB mit dabei gewesen wäre.
Naja, macht ja nichts. Bei der HNP ist doch nichts umsonst!
Wer hat eigentlich das Sommerinterview erfunden? Das ZDF, heißt es bei Wikipedia. Und daraufhin haben es etliche nachgemacht und lassen ausführlich unsere Politiker zu Wort kommen. Da darf Bundeskanzlerin Merkel genauso sprechen wie SPD-Kanzlerkandidat Steinmeier, Linkspartei-Vorsitzender Lafontaine bekommt ebenso seine Redezeit wie Grünen-Chefin Roth oder CSU-Chef Seehofer.
Warum immer nur die Bundespolitiker befragen?, dachten wir uns in der Redaktion vor ein paar Jahren und baten den Oberbürgermeister zum Sommerinterview. Das haben wir auch in diesen Ferien wieder getan. Mit Mikro, Notizblock und in bester Fragelaune besuchte ich gemeinsam mit meinem Kollegen Günther Trittner Bernhard Ilg in seinem Büro im Rathaus, wir tranken Wasser und Kaffee und plauderten uns durch die Zukunftsthemen Heidenheims.
Mit dem Ergebnis, dass ich eine Stunde aufgezeichnetes Gespräch auf Diskette vor mir liegen habe. Ob das alles auf eine Zeitungsseite passt? Klar! Noch nie etwas vom täglichen Zeitungswunder gehört? Es passiert immer genau so viel, wie in eine Zeitung passt.
Noch Fragen?
Schon wieder so ein Bauklotz! Und zwar kein bunter, kleiner von Lego, sondern ein großer, wahrscheinlich hässlich grauer von der Industrie.
Über das SHW-Bauvorhaben in Königsbronn diskutieren wir Redakteure in der HNP genauso wie die Bevölkerung vor Ort, die zwar zum einen die Arbeitsplätze der Gießerei schätzt, aber nicht deren Erscheinungsbild.
“Müssen Industriebauten heute eigentlich immer so häßlich sein?” frage ich in der Konferenz, nachdem ich den Artikel heute in der HNP gelesen habe. “Das ist halt billig”, antwortet mir mein Kollege. Architektur spiele da keine so große Rolle, sondern Preis und Funktion. “Früher hat man Werkhallen wie Wohnhäuser gebaut”, klärt mich mein Kollege weiter auf.
Deshalb vielleicht sehen alte Fabrikhallen in unseren Augen so heimelig aus: Die alten großformatigen Klinker- oder Ziegelbauten mit Giebel- oder Sheddächern verbinde ich mit Industrieromantik (wobei die Arbeitswelt mit Romantik sicher nicht viel zu tun hatte). Die heutigen statischen Klötze mit Flachdach stehen dagegen für Lean Produktion, Prozessorientierung, Qualitätsmanagement und Rationalisierungsprozesse. Vor 100 Jahren kannte man diese Worte ebenso wenig wie meterlange Fertigbetonteile, aber es gab auch keine 38-Stunden-Woche, kein Urlaubsgeld und keinen Arbeitsschutz.
An einer Zeitungsseite mit Ansichten vom Neubau arbeitet der Königsbronner Kollege übrigens gerade. Eines kann ich darauf schon sehen: Der Anbau sieht nicht ganz so häßlich aus wie der bestehende Neubau.
Mit schöneren Neuigkeiten kann ein Montag eigentlich gar nicht beginnen: Heute morgen fand ich in meinem Email-Postfach eine Nachricht von Gwendolin Le Glaz, der Schwester der an Leukämie erkrankten Heidenheimerin Lenaig, über die wir in den vergangenen Monaten mehrfach berichtet haben. Was Gwendolin da zu schreiben hatte, ließ uns alle erleichtert aufatmen:
Für die 20-Jährige wurde nun tatsächlich ein passender Stammzellenspender gefunden!
Am Freitagmorgen noch habe ich mit Lenaigs Mutter telefoniert. Zu dieser Zeit gab es noch nichts Neues. Bei unserem Gespräch dann heute morgen erzählte sie mir, dass sie eine halbe Stunde nach unserem Telefonat den erlösenden Anruf aus der Uni-Klinik Ulm erhalten habe.
Wir freuen uns mit Lenaig und ihrer Familie und wünschen ihr auf ihrem weiteren Genesungsweg natürlich alles erdenklich Gute!
Wer spielt denn nun im Congress Centrum, wenn es Christ de Burgh nicht tut?
In der Redaktion diskutieren wir hin und wieder, welche Band uns denn gefallen würde, auch wenn uns dazu niemand fragt. Vorige Woche stand im HNP-Kulturteil zu lesen, dass Siggi Schwarz die Skorpions, Art Garfunkel und Tom Jones (der am 5. Oktober in Frankfurt spielt) vorgeschlagen hat. Und gerüchteweise fällt auch der Name Udo Lindenberg.
Und schon haben wir in der Redaktion neues Diskussionfutter: “Tom Jones, wie alt ist der eigentlich schon?” “Udo Lindenberg ist auch nicht gerade jünger.” Wer will schon Art ohne Simon hören?”
Ich lass mich überraschen, wen das Kulturamt zum Schlossberg-Startstar macht.
Ganz persönlich würde mir ACDC schon besser gefallen als die Scorpions. Aber das Leben ist kein Wunschkonzert. Seufz.