Von Anbeginn an bin ich Juror für den (regionalen) Josef-Mühlberger-Literaturpreis, der alle zwei Jahre und gestern das 8. Mal verliehen wurde. Ich hatte nun die Ehre, in Eislingen, wo der Literat und Kulturjournalist Mühlberger lebte, die Laudatio auf den Preisträger zu halten.
Wie das so ist: Danach steht man noch ein bisschen zusammen, redet mit diesem, tratscht mit jenem. Und da nähert sich mir, der ich gerade in ein Zweiergespräch vertieft war, ein älterer Herr, der offenbar mit mir in Kontakt treten möchte, der mir aber unbekannt ist. So viel Synchronizität ist auch Männern möglich, dass sie mit dem einen reden und den anderen mustern - und dabei kommt in mein altes Hirn nach so zehn oder 20 Sekunden die Erleuchtung: Mensch, das könnte doch mein ehemaliger Deutschlehrer sein!
Ich habe 1975 das Abitur gemacht; und bis kurz zuvor war für mich das Studienfach und folglich auch der Beruf nicht so hundertprozentig zwingend. Ich wollte aber dann Germanistik studieren _ weil ich einen feinen Deutschlehrer hatte, den Dr. Zuber, der mir durchaus ein wenig renitentem Nach-68er ein Vorbild war. Ein feiner, feinsinniger, sehr unaufdringlicher Herr. Ich will Deutsch studieren, war mir schließlich klar, und wohl auch Deutschlehrer werden.
Ich habe Germanistik studiert, war da nicht unerfolgreich, durfte promovieren (wie mein Vorbild, den ich deshalb seinerzeit auch als Student einmal aufgesucht habe) – und wurde dann doch nicht Lehrer, sondern Journalist. Bei “Zeitung in der Schule”, bei “Berufsorientierung” oder div. Praktika behaupte ich aber immer mal wieder, noch immer einen gewissen “pädagogischen Furor” zu besitzen. Das ist ein bisschen ironisch – und doch auch wieder nicht, denn ein wirklicher “Furor” steckt weder in meinem pädagogischen Vorbild noch in mir.
Dennoch bleibt festzuhalten: Ohne meinen Deutschlehrer Dr. Zuber in 12 und 13 stünde ich jetzt nicht da, wo ich bin. Und jetzt kommt der eigens zur Mühlberger-Preisverleihung nach Eislingen, um nach 34 Jahren Kontakt aufzunehmen zum ehemaligen Schüler. Ich fühlte mich geehrt! Und habe ihm das auch gleich gesagt. Natürlich haben wir einige alte Erinnerungen ausgetauscht; und vom Lehrer zu erfahren, wie man selber als Jugendlicher “war”, ist ja auch mit 53 noch interessant.
Ohne darauf zu drängen, hatte dieser Lehrer großen Einfluß. Es hat auch ihm gutgetan, zu beobachten, dass aus seinem ehemaligen Schüler durchaus was geworden ist. Und er hat sich gefreut über mein spontanes, dafür um so herzlicheres und ehrlicheres “Dankeschön!” Dr. Zuber hat geholfen, mit feinem Vorbild, die entscheidende Weiche stellen. Noch einmal: Danke!
PS.: Kleiner Zufall, doch passend – zwei Töchter haben am Abend zuvor noch die “Feuerzangenbowle”-DVD herausgeholt und den uralten Schulklassiker angeschaut. Auch dabei geht es ja um maßgebliche Prägungen durch bestimmte Lehrer!