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    Eine wahre Geschichte

    30. Dezember 2008

    Die Geschichte könnte zu Weihnachten nicht besser passen. Es ist eine Herbergssuche der Neuzeit, die jedoch anders als bei Maria und Josef gut ausgeht.
    Menschen verlieren kurz nach Weihnachten ihr Zuhause, weil es in ihrem Wohnhaus brannte. Im Dachstuhl war Feuer ausgebrochen, beim Löschen wurde der Rest des Hauses unter Wasser gesetzt und ist bis zur Wiederherstellung für Monate unbewohnbar. Freunde des Hausbesitzers boten spontan ihre Hilfe an: “Wenn Du nicht weißt wohin, kannst Du gerne bei uns wohnen.” Der Mann war jedoch schon mit seinen Kindern bei der Schwester untergekommen. Obdachlos war allerdings noch der Untermieter.
    Dem Freund hätten sie, ohne groß zu überlegen, ihre Hilfe angeboten, doch dem wildfremden Mann? Sie kannten ihn ja gar nicht. Eine Nacht lang ließ sich das Ehepaar den Gedanken durch den Kopf gehen, wägte ab und folgte schließlich dem Herzen: Ja, sie wollten dem fremden Mann über die Runden helfen bis der Feuerschaden wieder repariert ist. Heute noch zieht er ein.

    Woher ich die Geschichte kenne? Sie stammt aus erster Hand. Denn das Ehepaar sind meine Eltern, auf die ich wegen ihrer Warmherzigkeit stolz bin.

      Geschrieben von Karin Fuchs


    “Mein Weihnachten” – eine virtuelle Ausstellung

    24. Dezember 2008

    Klicken Sie bitte auf das Bild, um zu unserer Bildergalerie zu gelangen

    So viele schöne Bilder! Es war schon eine schwere Entscheidung, als die Jury unserer HNP-Kunstaktion mit der Heidenheimer Lebenshilfe vor wenigen Tagen zusammentrat. An die 30 Bilder und Collagen breiteten sich da vor uns im HNP-Konferenzraum aus, allesamt gestaltet von Bewohnern der Lebenshilfe-Wohnheime – und alle auf ihre Weise interessant und so vielseitig, wie die Menschen, die sie gestaltet haben.

    “Mein Weihnachten” war das Thema unseres Malwettbewerbs und die schönsten Bilder dazu werden in unserer heutigen Weihnachtsausgabe der HNP vorgestellt. Doch was ist mit den anderen Beiträgen? Begeistert vom Engagement der Wettbewerbsteilnehmer, haben wir uns für eine virtuelle Ausstellung im HNP-Blog entschieden, um sie so unseren Lesern zu präsentieren und den Einsatz der Künstler zu honorieren.

    Herzlich bedanken möchte ich mich auch bei Hilde Pieldner und den anderen Mitarbeitern der Heidenheimer Lebenshilfe! Während der Adventszeit durfte ich die Kunstaktion begleiten und immer wieder Einblick in die Ateliers und damit auch in den Alltag der Lebenshilfe nehmen. Das war auch menschlich eine interessante und wertvolle Erfahrung.

    Unseren Lesern wünsche ich beim Betrachten viel Vergnügen und ein schönes, farbenfrohes Weihnachten!

      Geschrieben von admin


    Volle Windeln

    23. Dezember 2008

    Immer wieder dürfen wir Redakteure ja in der Zeitung darüber berichten, auf welch einfallsreiche Art und Weise Leute ihren Müll wild entsorgen. Und sie tun das bekanntermaßen nicht deshalb, weil in der Mülltonne zuhause kein Platz mehr wäre. Dass allerdings mittlerweile sogar die Sammelbehälter auf einem Friedhof – wie jetzt in Herbrechtingen – zum bequemen Entsorgen voller Babywindeln genutzt werden, ist sicherlich neu. Früher, als (sicherlich nicht) alles besser war, gab’s so was nicht. Was natürlich nicht daran liegt, dass die Leute früher reinlicher waren, sondern weil der Hausmüll noch nicht gewogen und die Müllgebühr nach Gewicht berechnet wurde. Wieder mal stellt sich die Frage, ob sich der Landkreis mit diesem Müllsystem einen Gefallen getan hat. Aber, immerhin ein Lichtblick – die Müllgebühren werden ja sinken im nächsten Jahr. Vielleicht erspart uns das dann doch den Anblick voller Windeln, egal ob auf einem Friedhof oder sonstwo in der Landschaft.

      Geschrieben von Dieter Reichl


    Mühe gegeben

    22. Dezember 2008

    Am Wochenende war Einsendeschluss für unser Advents-Gewinnspiel. Fast 800 zusammen geklebte Puzzles sind bei als Gewinncoupons eingegangen, was uns in der Redaktion sehr freut. Denn die höhe Zahl an Teilnehmern ist für uns die Bestätigung, dass wir mit dem Gewinnspiel auf der richtigen Linie liegen. Die meisten Einsendungen waren ordentlich zusammengepuzzelt und aufgeklebt. Einige Teilnehmer haben sich besondere Mühe gegeben und der Karikatur noch etwas Farbe verpasst, was wir der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollen. Unten im Bild blau umrandet sieht man die Original-Farben des Karikaturisten, ringsum die Einfärbungen unserer Leser.

    Noch steht der Hauptpreis neben meinem Schreibtisch. Morgen darf (muss) ich ihn aus den Händen geben. Das kleine, nette Asus-Netbook mit dem abstrakten Namen Eee PC. Wie ich hier schon einmal geschrieben habe sind die Preise immer technische Tendsetter, die ich selbst ziemlich toll finde. Also auch nächstes Jahr werde ich meine Augen offen halten nach technisch-trendigen Spielzeugen.

      Geschrieben von Karin Fuchs


    Heute vor fünf Jahren

    21. Dezember 2008

    So trist und grau wie das Wetter kurz vor Weihnachten kann auch ein Sonntagsdienst in der Redaktion sein: Es gibt keine Termine außer adventlichem Singen und diversen Weihnachtskonzerten, und die Jahresbilanz der Stadtverwaltung gibt es mangels Pressekonferenz auch nur als zu bearbeitenden Text und nicht zum Selberschreiben. Der 21. Dezember vor fünf Jahren war ein Samstag und für mich als Journalistin wesentlich aufregender, wenn auch auf eine erschütternde Art und Weise. Schon morgens um 8 Uhr erreichte mich der Anruf eines Kollegen, dass in der Nacht drei Jugendliche vor der Diskothek K2 erstochen worden sind. Die Polizei war noch auf der Suche nach dem Täter. Ein unfassbares Geschehen, für das es bis heute keine Erklärung gibt. Relativ schnell stand fest, dass der Messerstecher, ein 19-jähriger Gymnasiast, in rechtsradikalen Kreisen verkehrte, und dass die 15, 16 und 17 Jahre alten Opfer Kinder Russlanddeutscher Einwanderer waren. Wie er es aber fertiggebracht hat, mit einem Messer drei Jugendliche tödlich zu verletzten, bevor noch irgendjemand eingreifen konnte, ist mir noch immer ein Rätsel. Dreimal unglücklich getroffen? Nein, an solch einen Zufall glaube ich nicht. Meine Gedanken sind bei den Eltern der drei Jungs, denn der Tod eines Kindes ist mit das Schlimmste, was einer Familie widerfahren kann, und sicherlich auch nach fünf Jahren noch keinesfalls verwunden.

      Geschrieben von Silja Kummer


    Razzia

    19. Dezember 2008

    “Drogen und Zuchtanlagen” hieß vorigen Samstag eine Überschrift in der HNP über einer Nachricht, in der die Rauschgiftermittlungsgruppe eine erfolgreiche Razzia in Burgberg bekannt gegeben hatte. Die Nachricht stammte aus dem täglichen Pressebericht der Polizei. Die Fakten darin anzuzweifeln, dafür gibt es normalerweise für uns keinen Grund. Wir müssen uns auf die Poizei verlassen, da wir Redakteure selbst nicht dabei waren und die Leute, von denen die Rede ist, nicht kennen und befragen können.

    Diese Woche kam ich allerdings doch ins Zweifeln. Ich lernte den Mann kennen, in dessen Wohnung die Razzia stattfand und der von der Polizei anscheinend als Cannabis-Züchter entlarvt wurde. Zusammen mit seiner Frau kam er zu uns in die Redaktion und wollte wissen, wie er sich gegen falsche Behauptungen wehren könne. In erster Linie empfahl ich ihm, einen Anwalt zu nehmen, was er mittlerweile auch getan hat, und hörte mit seine Version der Geschichte an: Nicht zwölf sondern nur sechs Gramm habe er daheim gehabt, die Polizei hätte die zwei Tüten mitgewogen und mitgezählt. Wie käme die Polizei dazu, von zwölf Gramm zu sprechen, wenn es doch nur sechs gewesen seien?

    Und auch von Zuchtanlagen könne nicht die Rede sein, verteidigte sich der Mann. Wo die Polizei die Cannabis-Zucht vermutete habe, befinde sich das Kinderzimmer. Dass das Zimmer nachts mit einem Karton verdunkelt sei, läge daran, dass sie eben keine Rolläden hätten. Das nachts brennende Licht dort erklärte er damit, dass die Kinder es manchmal nicht ausschalten wollten. Das Licht sei es wohl gewesen, weshalb bei der Polizei eine anonyme Anzeige eingegangen sei, vermutete er.

    Auf dem Dachboden habe die Polizei eine Lampe gefunden. Da gleich von “Zuchtanlagen” in der Mehrzahl zu sprechen, sei Unsinn. Nicht zuletzt verwehrte er sich auch gegen den Vorwurf des Handeltreibens mit Drogen. Seinen Computer hätte die Polizei beschlagnahmt. Dort seien Bilder einer Cannabis-Pflanze abgespeichert gewesen, die bei ihm im Garten gewachsen sei. “Aber das war doch nur eine Pflanze. Verkauft habe ich noch nie ein Gramm.”

    Nun ist es letztendlich nicht meine Aufgabe, die Schuld oder Unschuld des Mannes festzustellen. Dafür gibt es Gerichte. Doch neugierig gemacht hat mich der Fall schon: Also fragte ich bei der Polizei nach. Dort erklärte mir der Pressesprecher, dass die Polizei Drogen grundsätzlch in der Verpackung wiege, um nichts zu verlieren. Im konkreten Fall habe die Polizei durchaus Anhaltspunkte von einer Drogenzucht.

    Nächste Station Staatsanwaltschaft: Drogenbesitz sei in jedem Fall strafbar, sagte mir der Jurist und zählte noch weitere strafbare Drogendelikte auf. Allerdings: Bei Cannabis-Mengen bis zu sieben Gramm werde das Verfahren oftmals eingestellt, wenn es sich um einen Ersttäter handle und dieser den Stoff nicht zum Beispiel auf einem Schulhof dabei gehabt habe.

    Nicht strafbar sei einzig der Konsum von Drogen in geringen Mengen. Ich verstand dies nicht: “Ich darf nichts besitzen, aber konsumieren? Wie soll das gehen?” “Wenn ich Ihnen einen Strich Kokain auf den Tisch ziehe und Sie diesen schnupfen oder wenn eine Tüte die Runde macht und Sie davon rauchen”, fügte der Staatsanwalt erklärend hinzu. “Nein danke”, lachte ich.

    Zurück zum Razzia-Fall: Dem dreifachen Vater war es auch ein Anliegen, Grundsätzliches zu sagen zum gesetzlichen Umgang mit Drogen im Vergleich zu Alkohol. Alkohol dürfe jeder soviel trinken wie er wolle. Doch bestraft werde das nicht. Er selbst vertrage keinen Alkohol. Deshalb, so räumte er freimütig ein, habe er sich für Weihnachten das Haschisch gekauft.

    Dass die Familie unbekümmert Weihnachten feiern wird, denke ich nicht. Denn zur Anzeige mit ungewissen strafrechtlichen Folgen kommt noch die Angst um den Arbeitsplatz hinzu. Zur Zeit der Razzia habe er gearbeitet. Sein Arbeitgeber habe ihn zu sich zitiert und ihm von einem Anfruf der Polizei über die Razzia erzählt.

    Um seine geringe Schuld zu beteuern, wäre der Mann sogar bereit gewesen, mit einem Bild von sich und seiner Familie seine Version zu veröffentlichen. Doch ich habe ihm davon abgeraten. Denn die von ihm beabsichtigte Wirkung hätte dies sicherlich verfehlt. Eher wäre der Gang an die Öffentlichkeit für die Familie zum Spießrutenlauf geworden.

      Geschrieben von Karin Fuchs


    Alt-Schwäbisch für Reigschmeckte, Teil 2

    17. Dezember 2008

    Auf vielfachen Wunsch von Leserin Patricia (Grazia, Patricia!) starte ich heute einen zweiten Versuch, Verständnis zu wecken für die seltsamen Laute der Menschen auf der rauen Alb, zu denen ich mich selbst zähle. Im Grunde genommen zeichnet sich der Urdialekt des Älblers durch zwei Eigenheiten aus. Die erste hat mit dem Ei, oder besser: dem Ai, zu tun, dass sich ständig in dessen Zungenschlag schmuggelt. Sehr deutlich wird dies an folgender Bauernregel:

    “Klaia maia aischt, wann’s koin Schnai mai hat.” Hochdeutsch heißt das in etwa: Mit dem Ernten des Klees sollte man erst dann beginnen, wenn alle Schneereste auf den Feldern hinweggeschmolzen sind.

    Die zweite Eigenart, speziell im Ulmer Land, hat damit zu tun, dass ein Älbler eben ein Schwabe ist. Das heißt, er spart, wo es geht – auch an Buchstaben. So wird grundsätzlich ein “r” vor dem “z” nicht ausgesprochen, was beispielsweise in dem bereits in Teil eins erwähnten Ausdruck “zkuuz” (also: zu kurz) deutlich wird. Auswärtige lachen über diese Eigenheit und haben deshalb einen Spottvers auf den Ulmer-Land-Dialekt abgelassen: ”Dia gant en d’Gädda ond lant Fitz.”

    Aus hygienischen Gründen verzichte ich an dieser Stelle auf eine Übersetzung. Stattdessen hier noch ein kleiner unangesagter Vokabeltest mit erklärenden Antworten:

    Afdrmeedeg: ein herrliches Wort, dessen Bedeutung vollkommen logisch ist. Der Afdrmeedeg ist der Tag nach (also: after) dem Meedeg (Montag) – demzufolge der Dienstag. In einigen Regionen der Westalb heißt dieser Tag auch Zaischdig, was wiederum den Ostälbler eher irritiert, weil Zaischdig das Wort Zaisch (also: zuerst) beinhaltet. Der Afdrmeedeg ist aber eben gerade nicht “zaisch”, sondern “nachna”, also nach dem Meedig.

    Aualee: ist ein sehr melodisch vorgetragener Ausdruck des Erstaunens. Häufig gebraucht auch als Folge eines Missgeschicks. Manchmal wird dann ein Älbler zum Poeten: ”Aualee, mei Hääs isch hee.” Hochdeutsch: “O je, meine Kleidung ist irreparabel beschädigt.”

    wättra: Also, meine Oma ist sehr viel “gwättrat” – und das bei jedem Wetter. Wättra bedeutet hinfallen oder stürzen. Das kommt auf der gebirgigen Alb nicht selten vor. Zu meinem Leidwesen hat mir meine Oma mal verraten, dass sie deswegen keine Fußballspiele anschaut, weil “dia emmer wättrat”.

    fische: sind hier keine Aquarientiere mit Kiemenatmung und Schuppenkleid. Gemeint ist vielmehr eine Vorwärtsbewegung, im Gegensatz zur Rückwärtsbewegung (“hendre” oder “hendersche”). Wenn man nicht genau weiß, was Sache ist, oder etwas sehr kompliziert erscheint, sagt man auch “hendersche-fier”.

     nianex: wörtlich heißt das “nie nichts”. Gemeint ist aber “nie etwas”. Typischer Fall für ”hendersche-fier”.

      Geschrieben von Thomas Grueninger


    Steuerfreies Waidmannsheil

    15. Dezember 2008

    “Waidmannsheil ohne Steueranteil” heißt es künftig für die Nimrode im Kreis Heidenheim. Der Kreistag beschloss gestern mehrheitlich eine Absichtserklärung, wonach die vom Landkreis erhobene Jagdsteuer abgeschafft wird. Rund 46 000 Euro zahlten bislang waidmännische Flintenfrauen und grünberockte Büchsenmänner pro Jahr in die Kreiskasse. Damit ist es ab nächstem Jahr vorbei. Den Schwarzkitteln steuerfrei einen auf die Borsten brennen, das ist die Zukunft.

    Dass die berüchtigten “Jagdscheine” ebenfalls abgeschafft werden, ist allerdings nur ein Gerücht. Dabei wüsste ich auf Anhieb zwei “Jagdschein-Inhaber”, die mit ihrem Papier Schindluder treiben.

      Geschrieben von Richard Wachter


    Ein Bild von mir

    12. Dezember 2008

    Werden wir überwacht? Oder wenigstens genau beobachtet? Mitarbeitern fiel ein Mann auf, der in der Marienstraße, der HNP gegenüber, steht und schaut und schreibt. Und immer wieder etwas in die Höhe hält – könnte das ein Richtmikrophon sein?

    Er steht schon eine halbe Stunde dort und tut das immer gleiche, meint die Kollegin. Das sei doch wenigstens ein bisschen verdächtig.

    Was tun? Für den Fall der Fälle fotografieren wir den Mann mal. Und dann geht der Redaktionsleiter halt mal rüber und fragt, was da denn so gemacht wird.

    Der Mann ist sehr freundlich und unmittelbar zufällig und erklärt sein Tun: Er sei Gast in Heidenheim (auf Nachfrage: er komme aus Hamburg) und habe noch eine Stunde Zeit, bis der Zug fährt. Und er mache es öfters so, wenn er in fremden Städten sei, dass er irgendeine Web-Cam aufsuche und sich von dieser fotografieren lasse. Um sich so zu verewigen? Er zuckt die Schultern, freundlich: Das sei halt sein Hobby. Er zeigt mir seinen kleinen Bildschirm und weisst darauf hin, dass er möglicherweise vor dunklem Hintergrund nicht so gut zu erkennen sei. Meinen Vorschlag, dann halt ins Schneefeld zu gehen, ignoriert er aber.

    Ich wünsche ihm noch einen guten Tag und eine gute Reise. Und kann die in der Redaktion, die ein wenig irritiert waren zuvor, voll und ganz beruhigen. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, bitte schön.

      Geschrieben von Manfred Allenhoefer


    Alt-Schwäbisch für Reigschmeckte

    10. Dezember 2008

    Vielleicht geht es Ihnen ähnlich, lieber Leser, und sie haben bisweilen auch den Kanal voll von dem vielen Plastik-Schwäbisch, das Ihnen im Lauf eines Tages so begegnet. Wenn zum Beispiel jemand meint, mit einer Vokabel wie “zammzähln” treffe er 100-prozentig ins Mark des älblerischen Sprachgefühls, dann sei ihm an dieser Stelle heftig widersprochen: Das ist weder original noch originell. Und wer es tatsächlich nicht besser kann, der sollte dann lieber “zusammenzählen” sagen, auch wenn das mehr Zeit kostet als ein Älbler eigentlich ins Zuhören investieren kann.

    Da ich selbst eine Oma hatte, die aus dem sogenannten “Ulmer Land” kam, gehöre ich zu denen, die mit Ausdrücken aufgewachsen sind, die den meisten heute nicht mehr vertraut sind.

    Hier ein kleiner Ausschnitt aus meinem Vokabelheft (mit enstprechenden Erklärungen für Preußen, Plastik-Schwaben und Menschen mit ähnlichen Geburtsfehlern):

    Bärastadt: Ort, wo meine Oma wohnte. Hochdeutsch Bärenstadt, Verzeihung: Bernstadt.

    Beeschlanga: Nachbarort von Bärastadt. Hochdeutsch: Börslingen.

    Auschdrstett: Ein weiterer Ort im Ulmer Land. Hochdeutsch: Osterstetten.

    Färeg: Beschreibt einen Zustand der Vergangenheit, soviel wie: im letzten Jahr.

    Sääzl: gepolsterte Sitzgelegenheit.

    aischluifa: etwas anziehen.

    ausschluifa: älblerisch für “Striptease”.

    zkuuz: ein Begriff, den ein Ulmer Ländler verwendet, wenn er beispielsweise eine neue Hose anprobiert und feststellen muss, dass das neue Bekleidungsteil nicht ganz zum Boden reicht.

    gäddle: Aufenthaltsort außerhalb einer geschlossenen Wohnung, der wo aber trotzdem einem selber gehört.

    raoder Rälleng: männliche Katze mit rötlich-brauner Fellfarbe.

    graußer Zaia: Körperteil am äußeren linken Ende des rechten Fußes bzw. am äußeren rechten Ende des linken Fußes. Sowas ähnliches wie Daumen, nur tiefer liegend.

    schnai: “White Christmas” im Ulmer Land.

    nemme mai: Schluss jetzt!

      Geschrieben von Thomas Grueninger