29. August 2010
Man sieht ja häufiger mal Schilder unter Fenstern. Zumeist eine Warnung. “Nicht kippen”, “Nichts rauswerfen” oder so. Mein Lieblings-Warnhinweis war unter allen Zugfenstern angebracht, als sich Fenster in Zügen noch öffnen ließen. Damals kam man schon in ersten Kontakt mit Fremdsprachen. “Nicht hinauslehnen”, stand da in strengem Deutsch, aber viel melodiöser klang das Ganze natürlich auf Französisch mit “Ne pas se pencher en dehors” oder auf Italienisch mit “E pericoloso sporgersi”. Umso erstaunlicher der Hinweis unter dem Fenster, das auf dem Foto zu sehen ist. Misteriös. Und mit diesem Rätsel im Gepäck gehe ich jetzt in den Urlaub. Mal sehen, ob Frankreich oder Italien. Auf jeden Fall werde ich drauf achten, mich nicht zu weit rauszulehnen.
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Geschrieben von Dieter Reichl
26. August 2010
Heute Nacht gegen 3.20 Uhr erwacht. Kein Wunder: ein strahlender Vollmond am Himmel. Der, das weiß man ja, vor allem rührsame, sensible Naturen vom Schlaf abhält. Sinnlos, sich dagegen zu wehren. Was tun also? Krimi lesen? Nö, dann gruselt man sich bloß wieder in tiefer Nacht. Fernseher? Nö, die Zapperei macht einen ja blöde. Also her mit der Allzweckwaffe in sämtlichen Lebenslagen: die ZEITUNG. Auch die vom Vortag tut’s, alles hat man ja längst noch nicht alles durch. Und über den Feuilletonartikeln wird man vielleicht auch wieder schläfrig. Man blättert, und man liest: Vollmond war gestern.
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Geschrieben von Dieter Reichl
23. August 2010
Angela Merkel kommt diese Woche also nach Heidenheim und besucht ein mittelstädisches Unternehmen.
Gähn.
Nein, nein, ich gähne nicht, weil ich etwa die Bundeskanzlerin langweilig fände oder das mittelständische Unternehmen öde. Sondern deshalb, weil sich bei uns hochrangige Persönlichkeiten ja mittlerweile die Klinke in die Hand geben. Die letzte war – man erinnert sich – Kaiser Barbarossa im Jahr 1171, als er bei dieser Gelegenheit gleich dem anmutigen Giengen an der Brenz (siehe Postkarte) das Stadtrecht verlieh. Okay, seither war’s etwas ruhiger (mal abgesehen von Ministerpräsident Oettinger, der während der Landesgartenschau von Heidenheim gar nicht genug kriegen konnte), aber wir nehmen das hier nicht persönlich. Und wenn jetzt sogar die Kanzlerin kommt – wer weiß, vielleicht hat sie ja wie weiland Barbarossa eine kleine Überraschung im Handtäschchen. Und verleiht HDH den Titel Oberzentrum, oder so…
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Geschrieben von Dieter Reichl
19. August 2010
Zwischen Giengen und Heidenheim wurden dieser Tage die Straßenränder gemäht. Die Beschäftigten scheinen echte Naturfreunde zu sein, ließen sie entlang der ganzen Strecke rund um die Leitpfosten doch kleine Öko-Inseln stehen, besetzt mit Gras, Feldblumen und ähnlicher Flora. Aber auch die Fauna wird es ihnen danken, entstehen dort doch Naturparks im Miniaturformat – so genannte Umweltzonen – und bilden beliebte Rückzugsgebiete für entlang von Landesstraßen lebenden, oft vom Aussterben bedrohten Kleinlebewesen. Genannt seien hier nur die Plankenmotte, die gemeine Allradlarve oder der grüne Porschefalter.
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Geschrieben von Dieter Reichl
16. August 2010
Nachdem die berühmten August-Meteoritenschauer hierzulande hinter dicken Wolken verborgen und damit leider auch für unsere spirituell angehauchten Redaktionsmitglieder (ich nenne keine Namen) so gut wie unsichtbar blieben, hier als klitzekleiner Ersatz ein Bild vom Nachthimmel über Giengen. Naturecht und kitschfrei, wie er uns per mail in die Redaktion gesandt wurde, noch dazu mit prächtigem Vollmond versehen. Dass es sich um Giengen handelt, erkennt man deutlich an der Stadtmauer im unteren Bildteil. Nicht ganz geklärt ist die Frage, ob es sich um das Giengen an der Brenz auf der Erde handelt, oder doch um das im Andromedanebel.
(Scherz beiseite. Es handelt sich um das Werbeplakat der Filmfreunde von “Brenzflimmern”, die jetzt am Wochenende wieder Filme an der Giengener Stadtmauer zeigen.)
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Geschrieben von Dieter Reichl
11. August 2010

Gestern Grillabend mit guten Freunden. Flackerndes Lagerfeuer, Rindersteaks, Gitarrenklänge - heitere Sommeridylle in Giengener Naturlandschaft. Weniger heiter und idyllisch das Gesprächsthema. Die Zeitung, naturalmente. Motzen, schimpfen, nölen. Was da so alles kommt! Interviews mit Oberbürgermeistern, in denen überhaupt nix Neues steht! Blödsinnsartikel über Herbststimmung im Hochsommer! Das Luftbildrätsel viel zu leicht! Und überhaupt: die Giengenseite manchmal nicht zu finden! Und wenn, dann ganz hinten zwischen Traueranzeigen und Terminseite!
Man verteidigt sich, man argumentiert: Anzeigenverteilung, Seitenspiegel, Farbbelegung. Dass es einem auch nicht passt, wenn die Giengenseite munter durch die Zeitung wandert. Dass man nicht nur tiefgründige Kommunalpolitik, sondern auch mal was Unterhaltsames schreiben mag. Dass nicht mal die flirrende Großstadt Giengen ständig Überthemen hergibt, zumal im August. Aber: Das Verständnis, so kommt es einem vor, scheint begrenzt.
Immerhin: Zum Entfachen eines Lagerfeuers ist eine Zeitung super.
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Geschrieben von Dieter Reichl
9. August 2010

Rätsel über Rätsel…:
Kornkreis? (Nö, kann nicht sein, gibt ja kein Korn…) Keltische Kultstätte? (Nö, da fehlt die passende Höhle nebenan…) Marsianer? (Rupp fragen, mit denen kennt er sich aus…) Am wahrscheinlichsten: Altsteinzeitliche Erduhr, die Swatch des Neandertalers. In diesem Fall die Rulaman-Edition mit dem schicken Stundenzeiger aus Naturbuche (“Nie mehr eine Orgie verpassen…!”)
Tschuldigung! August! Sommerloch! Es vernebelt einem das Hirn…
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Geschrieben von Dieter Reichl
5. August 2010
Kennt ja jeder, so Tage: Ständig nur Ärger, an allen Fronten. Als vorhin dann noch eine erfreulich rüstige 90-jährige Leserin anrief, es sei eine Unverschämtheit und eine sträfliche Mißachtung der älteren Menschen, weil man ihren Leserbrief nicht abdrucken wolle, in dem sie darlege, wie nett es in ihrem Pflegeheim sei, hat’s mir gereicht, und ich beschloss, jetzt mal positiv in die Welt zu blicken. Erster Erfolg: Man sieht Smileys
, wo man es gar nicht vermutet (siehe Foto). Und schon fühlt man sich besser.
Ich probier’s gleich nochmal:
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Geschrieben von Dieter Reichl
30. Juli 2010
Nachdem Kachelmann jetzt wieder auf freiem Fuß ist, ist ja wohl zu hoffen, dass endlich das Wetter wieder besser wird. War ja (siehe Foto, Marktstraße Giengen) katastrophal zuletzt. Zudem ist wohl zu erwarten, dass beim Strafverfahren gegen K. ab sofort Jugendstrafrecht angewandt wird. Wie war zu lesen (in der Zeitung, der mit den großen Buchstaben): K. sehe nach seiner Entlassung “Schlanker!” und “Jünger!” aus. Kuraufenthalt U-Haft, offensichtlich. Tolle Sache.
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Geschrieben von Dieter Reichl
28. Juli 2010
Man könnte neidisch werden:
“Es war toll”, erinnert sich Lewis McAdams, einer der ersten Redakteure: “Wir kamen um halb elf in die Redaktion, tranken Kaffee mit Brandy, rauchten Joints und warteten einfach, bis jemand reinschaute und uns was erzählte. Das tippten wir dann ab. Um eins war die Zeitung fertig, um fünf hatte jeder in Bolinas ein Exemplar. Wir verdienten jeden Morgen 20 Dollar und waren immer total blau.”
Zur Klarstellung: es handelt sich um die Zeitung ”Hearsay News” in Kalifornien. Die Realität in HDH schildere ich ein andermal.
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Geschrieben von Dieter Reichl