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    IAA

    16. September 2009

    Im Gegenzug zum Ausweis der Polizei ist der Presseausweis kein respekteinflössendes Papier, aber er kann Türen öffnen. So etwa zur internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt. Dabei ist bei den zwei Pressetagen zu Beginn der IAA kaum Geld gespart, denn der Eintritt an den Publikumstagen ist hier nicht teuer, aber es sind bedeutend weniger Leute in den Messehallen. Das heißt, man kommt an die Autos ran, kann reinsitzen und mit etwas Glück sogar mit den Chefs der Autofirmen plaudern. Oder man soll auf gut Englisch einer netten Dame aus Schweden am Stand von Saab für deren Umfrage erläutern, ob der neue 9.5er auf dem deutschen Markt ein Erfolg werden kann. Da merkt man dann schon, dass man Englisch vor 30 Jahren gelernt hat, es im Heidenheimer Alltag nun wirklich nicht braucht und auch für den Urlaub in Österreich nicht einmal rudimentäre Kenntnisse nötig sind. Aber so ein Messetag soll ja nicht nur für das Standpersponal mit Anstrengungen verbunden sein.

    Was auffällt an der IAA dieses Jahr sind die deutlichen Spuren der Automobilkrise. Nur wenige Unternehmen leisten sich noch solch opulentren Messeeinrichtungen wie in früheren Jahren. Die Stände sind kleiner, das Spektakel ist reduziert. Die Briten zeigen wie es geht. Auf dem Stand von Triumph steht der Sattelschlepper, der die zehn Motorräder gebracht hat, diese sind vor dem Fahrzeug geparkt und dazu gibt es Ölfässer zur Deko. Aber wozu braucht es auch Motorräder auf einer Automobilschau? Die Italiener setzen nach wie vor auf weibliche Reize. In jedem Auto steckt eine Frau drin, die sich irgendwie räkelt. Weil Chrysler nun auch Geld von Fiat hat, hocken nun auch Frauen in Jeeps drin. Das war früher nicht so.

    Traurig geht es bei Opel zu. Nur noch der neue Astra werden gezeigt und der Insignia. Daneben einen Stromer. Abgesehen von russischen Sportwagenherstellern hat nun wohl jeder Automobilhersteller einen Stromer oder einen Hybrid im Angebot oder in der Pipeline mit dem man die Zukunft gewinnen oder zumindest eine zurückhaltende Käuferschar zum Kauf animieren will. Autokauf als aktiver Umweltschutz, das ist die Idee. Meine Leidenschaft ist das aber nicht. Für den Umweltschutz gehe ich dann schon lieber zu Fuß. Wenns ans Fahren geht, soll dies auch Vergnügen bereiten.

    Machen dies die vielgerühmten deutschen Premium-Autos noch? Überall werden Helferlein eingebaut, die aus dem Fahrer am Ende einen Fahrgast machen. Es ist eine Überperfektion da und eine Übervorsicht. Autos für die Altersgruppe über 80. Die selbst das Licht einschalten, die abbremsen, wenn man zu dicht auffährt, die die Spur halten und auf Knopfdruck auch noch einparken. Man muss nicht mehr schalten und die Geschwindigkeit hält der Tempomat. Warum fährt man da nicht einfach Zug und nimmt für die restlichen Kilometer ein Taxi?

    Freude macht es da einen Stand wie Melkus zu sehen. Die DDR-Rennsport-Legende wird von der Familie wiederbelebt. Zwar muss man heute in Dresden nicht mehr wie in der Mangelwirtschaft des Sozialismus die Fahrzeuge zusammenbasteln, aber die Handarbeit ist auch heute Siegel des Unternehmens. Anders als bei einem Luxusfahrzeug wie dem Maybach ist der Begriff Manufaktur hier noch angebracht. In einem aber ist es wie in der DDR. Beim einem Stückpreis von 100 000 Euro werden sich nicht viele finden, die sich diesen Rennsportwagen leisten können.

      Geschrieben von Guenter Trittner


    Limakologie

    26. Juni 2009

    “Komm her” hat sich getraut und sich nicht schrecken lassen von der Warnung “Vorsicht bissig”. Traut nebeneinander lagerten am Donnerstagabend die beiden Schnecken im Gras. Im Heidenheimer Westen, jenseits des Rehberg, geschieht zur Zeit Seltsames. Immer wieder stoßen Wanderer im lieblichen Untertal auf mit schwarzem Stift markierte Schnecken. Mal tragen sie einen Namen, mal wie oben angeführt eine Aufforderung  oder eine Mahnung.  Immer aber das Datum der Beschriftung. Dieser Beitrag zur Limakologie (Schneckenkunde) ist amüsant. Man spürt direkt den behausten Schnecken nach, wenn man hier im Gelände unterwegs ist. Und ist berührt, wenn man sieht, dass das Gehäuse von Max inzwischen leer ist. Wie nur mag es Ophelia gehen? Was man als Wanderer dabei auch bemerkt, dass man in diesem Jahr nicht allein unterwegs ist. 2009 ist ein Schneckenjahr. Wohin immer der Blick fällt, es ist eine Schnecke da. Meist nackig und oft genug in leuchtendem Orange.

      Geschrieben von Guenter Trittner


    An uns lag es nicht

    28. April 2009

    Ich bin kein Fußball-Fan. Da ich als gebürtiger Neu-Ulmer aber nicht nur Schwabe, sondern auch (Rand-)Bayer bin, liegt mir der FC Bayern München doch irgendwie mehr als Herzen als etwa Hoffenheim, Wolfsburg oder auch Schalke.  Ich kann also gut damit leben, wenn der FCB Deutscher Meister wird. Aber mir reicht es, wenn ich am Samstagabend in den Nachrichten höre, wie die Spiele geendet haben. Nun war ich am Samstag zum allerersten Mal bei einem Spiel des FCB und zum allerersten Mal in der Allianz-Arena. Der Sohn war mit dabei und wir freuten uns auf viele Bayern-Tore. Doch die 90 Minuten wurden aus anderem Grund historisch. Wir erlebten den Abschied von Jürgen Klinsmann. Nach dem Abpfiff wusste jeder unter den 69000 im Stadion, dass dies das letzte Spiel für den Trainer war. Doch an uns lag es nicht. Ich hatte im Schrank sogar noch ein altes rotes T-Shirt für die Südkurve gefunden und für Sohn wurde vor Spielbeginn extra ein Schweinsteiger-Schal gekauft. Leider hat der Geislinger Klinsmann diesen Heidenheimer Hinweis ignoriert und den Schweinsteiger auf der Reservebank sitzen lassen. Darum haben die Bayern keine Tore schießen können und der Trainer musste untergehen. Wie gesagt, an uns lag es nicht. Wir haben unser Bestes gegeben.

      Geschrieben von Guenter Trittner


    Gesundheitsregion

    18. März 2009

    Heidenheim gehört der Gesundheitsregion Schwaben an. Das weiß im Grunde niemand. Dabei steht man kurz vor der Endausscheidung in einem Wettbewerb der Gesundheitsregionen, in dem es um erkleckliche Summen an Fördermitteln geht. Inzwischen glaube ich auch den Grund zu wissen, warum so wenig von der Gesundheitsregion die Rede ist. Es läßt sich nicht erklären, was das ist.

    In den Unterlagen des Bundesforschungsministeriums findet sich folgende Beschreibung des Konzepts, das die Region Ulm in die Runde der letzten 20 Bewerber gebracht hat. Wer sich nur irgendeinen Reim darauf machen kann, darf sich gerne melden.

    “Das Konzept konzentriert sich populationsbasiert auf Primär- und Sekundärprävention von Stoffwechselstörungen sowie auf die Reduktion von Folgeerkrankungen und deren enormen Kosten für die Gesellschaft. Mittels der wissenschaftlichen Kompetenz in der Region wird ein “Toolbox”-Konzept auf der Basis systematischer Erhebungen, bereits laufender Interventionen, innovativer Produkte, Prozesse und Dienstleistungen weiterentwickelt, zielgerichtet eingesetzt, adaptiert und fortlaufend evaluiert.”

      Geschrieben von Guenter Trittner


    Dunkle Vorgänge im Dunkeln

    4. März 2009

    Wer einen Hund hat erlebt anderes als andere ohne Hund. Und dies nicht nur mit dem Hund. Sondern weil man mit dem Hund zu Tageszeiten und an Orten unterwegs ist, die man ohne Hund nicht aufsucht. Ich bekenne, ich habe da einen Hang zum Dunkeln. Auch wenn unser Tier nicht besonders respekteinflössend ausschaut, man traut sich mit der Leine in der Hand mehr zu. Weil ich in der Weststadt wohne, gehe ich auch gern in Richtung Waldfreibad. Trotz Flutlicht des Jahnplatzes ist das um 21 Uhr derzeit noch eine absolut nachte Stelle. Der Instinkt sagt einem, dass Autofahrer, die hier auf den baumüberstandenen Parkplätzen ihre Fahrzeuge abstellen, zumindest Dinge vorhaben, die das Licht der Öffentlichkeit scheuen. Zumal relativ häufig geparkt wird, doch so gut wie nie jemand das Auto verlässt. Noch obskurer war freilich am Montag dieser Woche ein Autofahrer, der sein Fahrzeug nicht unter die Bäume rangiert hat, sondern die Heidefläche zur rechten Hand befahren hat. Einem Traktor gleich hat sich der 3er BMW auf der durch die Nässe völlig aufgeweichten Wiese nach oben gequält. Als der Fahrer bemerkte, dass ich mit Hund ebenfalls auf der Wiese stand, hat er sofort sein Licht ausgeschaltet, damit das Kennzeichen nicht mehr abzulesen war. Oben am Waldsaum hat der Unbekannte dann sein Fahrzeug abgestellt – mit Blickrichtung talwärts einem Raubritter gleich. Die Fahrzeugtür wurde nicht geöffnet. Ich habe darauf verzichtet, an die Scheibe zu klopfen und nach dem Sinn dieses Tuns zu fragen.

      Geschrieben von Guenter Trittner


    Kinoerlebnis

    18. Februar 2009

    Im Kino schaut man Filme. Das war einmal. Eigenäugig gemachte soziokulturelle Betrachtungen haben gezeigt, dass das Kino zum Lokal geworden ist. Es geht um Essen und Trinken – und dies im Verborgenen. Jugendliche, die in dem für dieses Alter üblichen Trotz, am elterlichen Mittagstisch brüsk alles Essen zurückweisen, holen hier zum großen Schlag aus. In der Dunkelheit des Kinosaals können sie dabei nicht erkannt werden. Gerade das Rascheln der Tüten und das Platzen des Popcorns im Mund zeugt von der Nahrungsaufnahme. Zusätzlich Kalorien liefern Getränke, die ebenfalls aus Gründen der Tarnung nur mit Deckel abgegeben werden. Hier sind es die Schlürfgeräusche aus dem Kunststoffhalm, die auf den Vorgang aufmerksam machen. Wie ausgehungert und ausgetrocknet viele Kinobesucher sind, sieht man daran, dass sie den Film überhaupt nicht mehr verfolgen. Vielmehr senken sich die Blicke in die links und rechts gehaltenen Tüten. Die Kaugeräusche übertönen sowieso jeden Surround-Sound. Häufig klappen auch Handys auf. Ich vermute, dass hier bereits per SMS der Pizza-Service auf den Kinoparkplatz für den Nachtisch bestellt wird. Meine Verhaltensstudien im Kinosaal belegen auch, und das sei gerade im Darwin-Jahr gesagt, dass die menschliche Evolution fehlerhaft war.  Was fehlt dem Mensch? Ein dritter Arm. Denn nur mit einem solchen könnten Kinobesucher ohne Beschwernis zwei Familienpackungen Popcorn, einen gemischten Teller plus zwei Getränke zum angewiesenen Sitzplatz tragen, den Sitz nach unten klappen und sich noch den Mantelknopf öffnen. So kommt es immer wieder zu bedauerlichen Verschmutzungen.

      Geschrieben von Guenter Trittner


    Anwendungscluster

    23. Januar 2009

    Ein bewährtes Mittel Sprache zu einem Rätsel zu machen, ist die Kobination deutscher und fremdsprachiger Begriffe. Mit dem Kompositum Anwendungscluster hat jüngst die IHK Ostwürttemberg einen Beitrag dazu geleistet, weitgehend unverstanden zu bleiben. Dabei möchte man doch gerade in Krisenzeiten wie diesen wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält. Und bei diesem Anwendungscluster geht es ja um nicht wenig, wie die IHK behauptet. Dadurch soll der Forschungsstand in der Nanotechnolgie schneller zu den Unternehmen kommen und zur Herstellung von Produkten genutzt werden. Bleibt zu hoffen, dass diejenigen die gemeint sind, wissen, wozu sie aufgefordert sind. Der Rest darf gerne ins Englisch-Lexikon schauen, was aber nicht wirklich weiterhilft.

      Geschrieben von Guenter Trittner


    Landrat-Vize

    20. Januar 2009

    Mitunter fühlt ein Journalist nicht anders wie ein Kind vor Weihnachten. Man will wissen, was in den Päckchen drin ist. Die Position des Landrat-Vize war nun solch ein Paket, das einem Kreisverwaltung und Innenministerium lange genug vor die Nase gehalten haben. Am Donnerstag hätten Minister Rech und Landrat Mader es offiziell auswickeln und den Namen des künftigen Ersten Landesbeamten bekanntgeben wollen. Noch gestern früh am Morgen hatte sich Landrat Mader nochmals mit dem Innenministerium auf diese Frist des Stillschweigens verständigt. Nach der Lektüre der HNP war dann ein weiteres Gespräch mit Stuttgart erforderlich geworden. Zugegeben, Kommissar Zufall hatte der Redaktion geholfen dem geheimnisvollen Unbekannten auf die Spur zu kommen. Aber es freut einen doch, wenn man als Lokaljournalist die mächtige Phalanz von Politik und Bürokratie austricksen kann. Das ist dann auch irgendwie wie Weihnachten.

      Geschrieben von Guenter Trittner


    Lebensälter

    17. November 2008

    Im Bemühen einfache Sachverhalte möglichst kompliziert zu beschreiben, ist die Agentur für Arbeit immer ein Kandidat für die Goldmedaille. Gestern hat uns eine Pressemitteilung erreicht, in der der Frage nachgegangen wird, ob sich lebensältere Schwerbehinderte noch Chancen auf dem Arbeitsmarkt ausrechnen dürfen. Gestutzt? Da hat die Agentur doch glatt ein neues Wort erfunden: lebensälter statt älter. Warum auch nicht. Man könnte sogar noch eins draufsatteln. Besonders pathetisch klänge daseinsälter.

      Geschrieben von Guenter Trittner


    Oberzentrum

    10. Oktober 2008

    Schon im volkstümlichen Kanon für zwei Stimmen war es mit einem Fragezeichen behaftet, wie der Hans zur Lies’ kommt. “Ober er aber über Oberammergau oder aber über Unterammergau kommt, des is net g’wiss” Noch weniger gewiss ist freilich wie Heidenheim zum Oberzentrum wird. Ob mit oder ohne Ellwangen, mit oder ohne Aalen, mit oder ohne Gmünd, oder aber gar nicht? Die Wahl machts zur Qual. Wie hatten es die Ulmer nur einfach: in Ulm, um Ulm und um Ulm herum heißt es wir sind das Oberzentrum. Aber im Ernst, wie hätten Sie es denn gern in der Region?

      Geschrieben von Guenter Trittner