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    Eine Stadt der Löcher

    22. April 2010

    Was kann Heidenheim dafür, dass es im Moment die Stadt der Löcher ist? Der Winter hinterließ Schlaglöcher, die von mal zu mal größer werden, wenn sie denn keiner stopft.
    Auf der Clichystraße wird die marode Unterwelt über dem Wedel ausgebessert. Um besser mit dem großen Rüssel des Betonmischers diesen Kies-Zement-Brei nach unten bringen zu können, wurden Dutzende von Löchern gebohrt. Ein Schweizer Käse hat weniger Löcher.

    Ein Loch gibt es schon seit Monaten – gegenüber vom Hellenstein-Gymnasium am Ecke des Parkhauses am Bahnhof. Die Stadtwerker hatten dort vor Monaten Kabel verlegt und miteinander verbunden. Oben auf kam die übliche Schicht aus feinem Sand und das war es dann auch. Seit dem laufen die Fußgänger jeden Tag x-mal an dem Dauerloch vorbei, das bislang keiner zuschütten und mit einer Asphaltdecke verschließen wollte.

    Rein theoretische könnte es natürlich sein, dass man sich überhaupt nicht traut. An dem Eck’ wurde schließlich schon mehrfach aufgegraben. Bis heute ist der Reißverschluss für solche Baustellen nicht erfunden. Deswegen muss halt stets der Bodo mit dem Bagger kommen und der Fred, der sich auf Starkstromkabel versteht.

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Prickelnde Propheten

    19. April 2010

    Der Mei’ ist gekommen, d’r Dei’ noch nicht,“ pflegte in Abwandlung eines bekannten Volksliedes eine alte Sangesschwester von mir zu singen. Der „Ihre“ war also zumindest in Gedanken schon da. Nun ist es sicherlich richtig mitten im April und doch gibt es sie schon im Regal des Supermarkts: Die Mai-Bowle – eine prickelnde Mischung.
    Wenn also die Mai-Bowle schon da ist, kann es nicht mehr lange dauern, bis der Wonnemonat Mai auf dem Kalenderblatt erscheint. Mit der Mai-Bowle ist es wie mit den Lebkuchen und ebensolchen Herzen, die im September in den Regalen der Supermärkte auftauchen, weil Weihnachten nimmer weit ist. Solche Propheten nenne ich falsche Propheten, trüben sie doch alle Erwartungen.

    Mir sind im übrigen die kleinen Propheten, die kleinen Löffel bei Tisch lieber, verheißen sie doch allemal einen leckeren Nachtisch.

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Erholsame Lichterspiele?

    7. April 2010

    Die Udo-Andriof-Ampel beim Sontheimer Wirtshäusle ist rund um die Uhr in Betrieb und offiziell durch Induktionsschleifen so programmiert, dass je nach Fahrzeugzahl die Grünphase entsprechend lang dauert. Ob die Ampelsteuerung wirklich das ist, was die Techniker sich gedacht haben, darf getrost bezweifelt werden. Wer immer das Glück hat, auf die Kreuzung der Bundesstraße 466 mit der Landesstraße Steinheim – Gerstetten just in dem Moment zuzufahren, wenn die Ampel auf rot springt, der hat bald seine Freude am bunten Lichterspiel. Vor allem in der verkehrsarmen Zeit steht man da und wartet und wartet und wartet und wartet und wartet… Möglicherweise fallen einem beim vielen Warten alle Sünden ein, die schon lange zurückliegen. Erholsam mag das Lichterspiel kaum sein. Wir Menschen neigen ja da, irgendwann einmal zu schimpfen und einen dicken Hals zu bekommen. Ach wäre dort doch der allseits gewünschte Kreisel gebaut worden. An dem muss man nicht warten, warten, warten, warten… Da geht es nämlich immer rund und wir bestimmen das Tempo!

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Ehe denn d’r Has’ legt…

    1. April 2010

    Hasen haben lange Ohren und hoppeln durch die Gegend. Laufen tun bekanntlich andere. Nun unterscheiden sich Hasen auf jeden Fall von einander: Karnickel leben in freier Natur oder im Stall, Feldhasen haben ihre eigenen Reviere und schlagen angeblich Haken.

    Bei den „normalen“ Hasen kommen hinten Kaffeebohnen heraus, nur die Osterhasen sind zu mehr fähig: Die Ostereier aus Schokolade gleichen den Kaffeebohnen, sind auch braun, aber eben nur viel größer und manchmal mit leckerer Füllung. Schon etwas Mühe haben die Osterhasen, wenn man von ihnen verlangt, in Folie oder Stanniol gewickelte Eier zu produzieren. Je nach Größe macht es dem Osterhasen mal mehr mal weniger Mühe. Wenn sie legen wollen, stellen sie die Ohren. Wenn das Geschäft getan ist, hängen sie die Ohren. Man spricht auch von Schlappohren.

    Im Schwäbischen aber verlangt man vom Osterhasen ungemein viel, ja zu viel und auch Unnatürliches. Manche Kinder wollen Rollschuhe, ein Fahrrädle oder ein Tretauto haben. Bekanntlich sind die Löcher rund, die Fahrräder und die Rollschuhe nicht. Also franst beim Osterhasen angesichts solcher „Eier“ das Fiedle aus. Da die Verletzungen sehr schmerzhaft sind, dauert es, bis so ein ausgefranstes Loch wieder geheilt ist. Das erklärt, warum nur einmal im Jahr Ostern gefeiert werden kann.

    Übrigens: Ein Prachtsexemplar von einem Osterhasen steht vor der Martinskirche in Nattheim. Gestylt wurde der Gute mit der Motorsäge. Da der Hase keine Hängeohren hat, hat er auch noch keine Eier gelegt. Das lässt hoffen!

    Na denn: Frohe Ostern!

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Time to say goodbye

    27. November 2009

    Lieber Häfelesglotzer!
    Über 30 Jahre waren wir Seit’ an Seit’ unterwegs. Du warst das Kind einer Redaktion, die sich durch Korpsgeist und den Willen ausgezeichnet hat, immer besser und den anderen stets mehr als eine Nasenlänge voraus zu sein. Nun schlägt Dein Stündlein. Und Du gehst leise, wie Du einst zu Zeiten der unvergessenen Kollegen Heiner Kleinschmidt und Hans-Otto Schaller geboren wurdest, aus dieser Welt. Was haben wir nicht alles miteinander erlebt und durchgestanden. Das waren noch Zeiten, als Du beim Faschingsumzug in Dischingen mit einem eigenen Festwagen zu sehen warst und wir – buntkostümiert – die Faschingsausgabe der “Heidenheimer Neuen Presse” unters närrische Volk gebracht haben. Oft haben vor dem Häfelesglotzer die Großkopfeten in Stadt und Landkreis gezittert. War doch immer wieder manches unter dem Deckel des Häfeles danmpfend zu Tage gefördert worden, was nicht gerade rühmlich gewesen ist. Die Samstagskolumne bot aber auch immer wieder die Möglichkeit, auch all das kritisch aufzuarbeiten, was im Laufe einer Woche Deinen Kollegen über den Weg gelaufen war. An Kritik an Dir, hinter dem viele Autoren sich “versteckt” hatten, hat es mitunter nicht gefehlt. Und doch denke ich: Du bist wichtig gewesen. Du wirst mir – wie vielen anderen – sehr fehlen, Samstagsmorgen auf dem Frühstückstisch.
    Adieu – mon ami!

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Jenseits des Vorhanges

    19. November 2009

    Wer mit seinem Auto durch eine Waschstraße fährt, hat Zeit. Zeit zum Nachdenken über eine Lage Schaum, über mächtig große Bürsten, die einem das “Heilix Blechle” bürsten und manchmal auch ein bisschen den Lack ankratzen, weil vermutlich der Vordermann vorher im Steinbruch gewesen ist und dessen Sand nicht vollständig aus den Bürsten gespült worden ist.
    Und es soll ja schon – wie mir passiert – zu kleinen Auffahrunfällen in der Waschstraße gekommen sein. Da latscht doch recht erschrocken der Vordermann auf die Bremse, weil ihm diese großen Bürsten bedrohlich nahe kamen und es dabei hin- und hergeruckelt hat. Keiner muss Angst haben. Unter normalen Umständen kommt keiner aus den schienengleichen Förderketten heraus. Jeder wird ans Ziel befördert, wo das rote auf das grüne Lichtsignal umspringt.
    Jenseits dieses Vorhanges (Bild) aber scheint die Sonne – nicht bloß auf ein blitzblankes Auto. Jenseits des Vorhanges scheint alles wieder gut zu sein. Gleißende Lichtblicke in diesen trüben Novembertagen. deshalb lässt man sich gerne durch das automatische Transportsystem vorwärtsschieben – durch diesen großen Vorhang aus lauter langen Waschlappen, die die nicht weggepusteten Wassertropfen vom Lack wischen.

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Heldenverehrung

    15. November 2009

    Gestern war Volkstrauertag. Die “Erlebnisgeneration”, die noch aus eigener Anschauung den Krieg erlebt oder die Flucht mitgemacht hat, wird altersbedingt weniger. Entsprechend nimmt die Zahl derer ab, die noch zu diesen Gedenkstunden und Kranzniederlegungen geht. In Steinheim ging man neue Wege und setzte Kleinbusse zur Fahrt zur Gedenkstätte Steinhirt ein. Im Ersten Weltkrieg fielen zehn Millionen Menschen, 55 Millionen Menschen wurden Opfer des Zweiten Weltkriegs. Diese Zahlen sind erschreckend.
    Auf dem Härtsfeld und im angrenzenden Bayern spricht man im Blick auf den Volkstrauertag von Heldenehrung bzw. Heldenverehrung. Eingedenk des unsäglichen Leids, das die Kriege gebracht haben, dürfte sich wohl keiner der Gefallenen als Held gefühlt haben. Die oft sehr jungen Menschen hingen zu sehr am Leben. Ihr Tod zerstörte junges Glück, junge Familien.
    Die Begriffe Heldenverehrung und Kriegerdenkmal sind leider zu sehr im Volk verankert, als dass man sie tilgen könnte. Helden sind in meinen Augen allenfalls die, die wie Stauffenberg oder Georg Elser noch Schlimmeres verhindern wollten.

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Ein Gürtel, allein auf der Bank

    3. November 2009

    Es ist nichts, wenn man dauernd den Gürtel enger schnallen soll. Wer abnehmen will, sollte das besser nicht tun. Das würde einem nämlich die Luft abstellen. Mitunter will der eine oder andere aus der Haut fahren, daran würde ihn aber ein zu enger Gürtel hindern. Was immer nun am gestrigen Dienstag in den Georges-Levillain-Anlagen in Heidenheim passiert ist? Auf einer Parkbank hat jemand seinen Gürtel zurückgelassen, um wohl gleich in der Nähe sich mal so richtig die Wampe vollzuschlagen? Danach passt solch ein Leibriemen eh nicht mehr.

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Ein sicherer Platz?

    2. November 2009


    Das sind schon schlechte Zeiten und Diebe lauern allerorten: In Oberstotzingen hatte jemand doch wohl eher eine ausgefallene Idee und just eine Straßenlaterne am alten Rathaus als Depot für den Ersatzreifen seines Fahrrads auserkoren. Da kommt so schnell keiner ran. Lange Zeit hing der Reifen in luftiger Höhe, bis die Feuerwehr kam. Die Frauen und Männer in Orange hatten sich besagtes altes wie unbewohntes Rathaus als Übungsobjekt auserkoren. Als die Aufgaben alle abgearbeitet waren, da schnappten sich ein paar Kameraden eine Steckleiter und leiterten an dem Hauseck an. Es dauerte nur wenige Minuten, da war der schlauchlose Gummi nicht mehr das Piercing am Rathaus. Es darf vermutet werden, dass der Künstler und Eigentümer dieses Fundstücks sicher nicht unter den zahlreichen Übungsbeobachtern war, sonst hätte er sich gleich sein Eigentum zurückgeholt. Wer fährt schon gerne auf den Felgen Fahrrad? Die Moral von der Geschichte: Hänge keinen Fahrrareifen nicht an so eine Laterne.

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner


    Bodo mit dem Bagger

    30. Oktober 2009

    Ein Bagger ist ein Arbeitsgerät und kommt je nach Größe, Einsatzbedingungen und Einsatzgebiet entweder auf Raupen oder auf Rädern daher. Die Raupenbagger werden üblicherweise mit Tiefladern dorthin gebracht, wo sie gebraucht werden. Die Bagger auf Rädern rollen meist aus eigener Kraft von einer Baustelle zur nächsten. Und das kann mitunter die Autofahrer zur Weißglut bringen.
    Nennen wir ihn Bodo. Jenen Mann, der am frühen Donnerstagabend die Ruhe weg hatte. Sein Tagewerk war vermutlich irgendwo in Heidenheim zur Zufriedenheit des Kapos erledigt worden und der Baggerfahrer mit seiner Baumaschine auf dem Wege nach Hause. Der war recht weit und die Autoschlange auf der Bundesstraße 19 reichte vom Totenberg bis zur großen Ampel am Rande von Herbrechtingen. Ans Überholen war selten zu denken, weil ja um die Zeit auch viele Richtung Heidenheim nach Hause wollten.
    Und so tuckerte der Bagger gemütlich Richtung Herbrechtingen. Und viele tuckerten mit um die 20 Sachen in ihren Automobilen hinterher. Das war eine imposante Lichterkette, die Bodo im Schlepptau hatte.

      Geschrieben von Klaus-Dieter Kirschner