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    Spießer vs. Spanner

    25. August 2010

    Ich freu mich schon total auf meinen Urlaub. Und ganz besonders darauf, dass die FKK-Ferien dank Nacktscanner nun schon am Flughafen Terminal beginnen. Sie sehen das nicht so locker? Fühlen sich gar vom Flughafenpersonal ihrer Intimsphäre beraubt? Mit einer Art Nippelsticker können sich Spießer vor den Spanner-Attacken schützen.
    Das Zauberwort heißt “Flying Pasties”, Aufkleber, mit denen man seine intimsten Stellen strahlensicher verpacken kann. “Private” steht da drauf oder “nur mein Freund sieht mich nackt” (kein Scherz!! ://www.flyingpasties.com/). Acht bis 17 Dollar muss einem die Privatsphäre doch wert sein!? Und sowieso  Die neue Art der Unter-unter-Wäsche wird bestimmt ein neuer Trend. Am Besten gleich eindecken und am Flughafen-Check-in damit protzen. Plus für umweltbewusste Spießer: Nach dem Urlaub kann man die Gummi-Feigenblätter auch zu Glasuntersetzer recyclen.

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Mit dem Flokati gegen die Krise

    23. Juni 2010


    Ob das IKEA schon weiß?
    Ein Heidenheimer Teppichgeschäft rät uns, auf Grund der drohenden Währungs-Apokalypse unser Kapital “WIEDER in Teppichen anzulegen”. Wer gehofft hat, der Inflation durch Gold- oder Immobilieninvestitionen zu entkommen, hat sich scheinbar getäuscht. Finanzielle Sicherheit bringt der Perserteppich im Wohnzimmer. Denn falls buchstäblich alle Stricke reißen, kann man später mit Omas Läufer Tauschhandel betreiben (oder damit seinen hungrigen Magen füllen).
    Das nenne ich modernes Krisenmanagement!

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Waldbad, die erste!

    7. Juni 2010

    Am Wochenende hat es mich, zum ersten Mal in diesem Jahr, ins Freibad gezogen.
    Diese glorreiche Idee hatte offentlichlich nicht nur ich, sondern ganz Heidenheim:
    Ein Auto-Meer samt Fahrradteppich, der eher ins Stadtbild von Amsterdam oder Peking gepasst hätte, bereitete mich schon vor dem Eingang auf die bevorstehenden Menschenmassen vor. 20 Minuten an der Schlange neben zahnenden Kindern gewartet, habe ich mir den ersten Sonnenbrand geholt. Auf den Schreck hin musste ich mich erst mal lautstark über die erhöhten Preise beschweren (“Waaas, 3,60 Euro???Dafür kann man ja ans Meer fahren!”)  und endlich wurde ich auf die Weide, äh Liegewiese gelassen.
    Stolz ein kleines freies Fleckchen neben dem Mülleimer ergattert. Was machen da schon die vier Jungs aus, die ihr Fußballfeld genau um mein Liegehandtuch herum abgesteckt hatten?
    Kaum eingecremt war auch schon die Sonne weg. Egal, 20 Bahnen im Schwimmbecken gezogen, die paar “Querschwimmer”-Extremitäten in meinem Gesicht konnten meinen Sportgeist dann auch nicht trüben.
    Erschöpft aus dem Wasser gestiegen um festzustellen: Es regnet!
    Tasche gepackt, in die Umkleide gerannt, 10 Minuten auf eine freie Dusche gewartet. Pünktlich zum Verlassen des Bades nach einer Stunde Aufenthalt kam dann die Sonne wieder raus. Dafür musste dann unbedingt am Ausgang ein Eis zum Trotz gekauft werden. Das war allerdings schon in der Verpackung zerbrochen (Was ist ein “Flutschfinger” ohne Finger??).
    Enttäuscht aber wenigstens vom zerbröckelten Wassereis ein wenig getröstet nach Hause gefahren. Kalt wars. Aber irgendwie auch schön.
    Hatte gestern jemand ein ähnliches Erlebnis?

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Das Reformhaus-Phänomen

    3. Mai 2010

    Es ist ein bisschen wie  in einer anderen Welt, wenn man ein Reformhaus betritt.
    Es riecht nach naturbelassenen Lebensmitteln, die ausgesuchte Auswahl ist kleiner, dafür aber bio und ökologisch korrekt, die Preise einen Tick höher und die Leute eine Spur freundlicher.
    In letzter Zeit bin ich öfters in Reformhäusern um an die heißbegehrten Rosinenbrötchen zu kommen.
    Im allgemeinen Mittagspausen-Stress noch “schnell” in den Naturladen- denkste.

    Hier nimmt man sich nämlich noch Zeit.
    Sonst ist man ja als gehetzter Kleinstädter Discounter-Kunden-Treatment à la: “Machtzweieurofufzigbittebdanketschüss” gewohnt, gefolgt vom Akkord-Piepsen des Warenscanners.
    Aber im Reformhaus, da ist die Welt noch in Odrnung. Da wird noch Konversation mit Kunden betrieben, persönliche Betratung gehört ebenso dazu wie das Verstauen der gerade gekauften Produkte im mitgebrachten Stoffbeutel- vom Chef persönlich. Im Grunde ein toller Service – esseidenn man ist spät dran.

    Wenn da noch die Oma vor einem an der Kasse von der netten, weißbekittelten Verkäuferin gefragt wird, ob denn die Blasenentzündung mit dem Cranberrytee nun abgeklungen sei und ob die Weizenkleie nun auch wirklich die Verdauung reguliere, würde man gern mal ein wenig Dampf machen. Unsereiner schaut dann hypnotisch auf die Uhr und muss sich in solchen Momenten bewusst machen: Stress gibts in dieser Welt nicht. Hier weden Lebensmittel noch mit hygienischen Zangen angefasst, der Kassenzettel wie eine Urkunde überreicht und ein freundliches Wort (oder eben viele Wörter) sind hier Standartprogramm.

    Dieses Reformhaus-Phänomen fällt mir auch bei anthroposophischen Ärzten auf, bei denen Hektik ebenfalls ein Fremdwort ist.
    Als Patient wartet man da doch gern mal länger im Wartezimmer, dafür hört der Arzt einem aber meist auch wirklich zu.
    Auch in Weltläden oder anderen alternativen Einrichtungen wird das Tagesgeschäft relaxt gehandhabt:
    Hier ein kleines Tütchen, doppelt mit Tesa zugeklebt, ein Bonbon oben drauf und das Wechselgeld wird ganz behutsam in die Kassezurückgebettet.

    Und ich, mitten drin, hin- und hergerissen zwischen sich wohlfühlen und der alles beherrschenden Erledigungspflicht.
    Durchatmen. Vielleicht gehört diese Ruhe einfach zum gesünder-Leben-Konzept dazu.
    Stress ist ja auch furchtbar ungesund. Schade, dass man das sich-Zeit-lassen nicht mehr gewohnt ist.

    Ich bin jetzt öfter im Naturladen. Dieser Mikrokosmos fasziniert mich. Und es ist ein wenig wie Urlaub dort.

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Sauber wie nie

    27. April 2010

    Es soll Leute geben, die ihren Müll fallen lassen, wo sie gehen und stehen. Bürokratische Hinweisschilder provozieren da den Sinn für Kreativität der Leute in Sachen Abfallentsorgung oft nur noch mehr, könnte man meinen.

    Eine nette (und offensichtlich wirksame) Strategie hat man sich beim Blumenkübel vor “Robbys Fahrschule” einfallen lassen: Ein kluger Kopf war es wohl leid, Tonnen von Restmüll fremder Menschen aus seinen Stiefmütterchen zu fischen und hat kurzerhand ein keckes Schild mit unkonventioneller Grammatik in der floralen Landschaft positioniert:

    “ICH BIN KEIN ABFALLEIMER!!!!! Bin ich krasses Blumenbeet!”

    Ach so ist das also. Vielleicht haben die Umweltsünder den Kübel missverständlicher Weise für einen öffentlichen Komposthaufen gehalten. Jetzt dürfte man sich aber direkt ertappt vorkommen, bei dem Gedanken, seinen Kaugummi “ausversehen” in den ausdrücklich als Beet ausgewiesenen Pflanzenkubus fallen zu lassen.

    Was lernen wir daraus? Liebe Leute von der Stadt, probiert es bei eurem Schilderwald doch auch mal mit Charme und Witz anstelle eines strengen Fingerzeiges - klappt ja scheinbar ganz gut.

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Unser täglich Brot gib uns heute

    1. April 2010

    Heute ist Gründonnerstag. Der fünfte Tag der Karwoche, an dem die christlichen Kirchen des letzten Abendmahles Jesu am Vorabend der Kreuzigung gedenken.
    Eine Szene, die in der Kunst über die Jahrhunderte hinweg eine große Rolle gespielt hat.
    Laut eines Artikels der Süddeutschen Zeitung
    ( http://www.sueddeutsche.de/wissen/623/506790/text/ )
    sind die Portionen auf den Tellern – vor allem der Fleischanteil – der Abendmahl-Darstellungen in den vergangenen 1000 Jahren immer größer geworden. Untersucht wurden 52 Gemälde. Beim Brot hingegen sparten die Maler im Vergleich zu vorangegangenen Epochen angeblich.
    Diät-Guru Robert Atkins würde das jetzt freuen. Die Low-Carb-Methode hat sich also schon im frühen Mittelalter durchgesetzt.
    Welche Speisen wohl heute auf den Tellern der Apostel liegen würden?

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Höhlen-Erlebnis

    31. März 2010

    Ich möchte behaupten, dass ich nicht gerade zum zimperlichen Typ Frau gehöre. Ich kann zupacken und scheue es auch nicht, mich mal dreckig zu machen, wenn’s sein muss. Aber in einem Punkt entspreche ich diesem Tussi-Klischee, in das Frauen oft gesteckt werden, denn: Wuselnde Tiere gehen gar nicht.

    Heute wurde ich durch die Charlottenhöhle geführt (wie immer, rein beruflich). Den Nicht-Höhlen-Fans unter unseren Blog-Lesern sei gesagt, die Tropfsteinhöhle hat den Winter über wegen Fledermäusen geschlossen. Ganz richtig: Damit die armen Tierchen nicht aus ihrem Winterschlaf erwachen wird die Höhle erst wieder am ersten April eröffnet.

    Für die Presse wurde eine Ausnahme gemacht und als mein netter “Höhlenguide” die Tür öffnet und das Licht anknipst, sehe ich, wie sich die ersten Spinnen über meinem Kopf abseilen. Und bei Spinnen, die sich in sechs besucherlosen Wintermonaten vermutlich prima vermehren konnten, hört meine Tapferkeit auf und meine Hysterie fängt an.

    Dazu kommt noch eine Klaustrophobie im Anfangsstadium und ein traumatisches Erlebnis in einem süddeutschen Zoo, dem ich meine Angst vor Fledermäusen zu verdanken habe. Alles Ungetier, das wild umherflattert- oder wuselt und sich in meinen Haaren verfangen könnte wird in die Kathegorie “Nicht berühren und schreiend davonlaufen” einordnet. Stepel drauf, “MEIDEN! (oder draufschlagen, aber das nur bei Spinnen im äußersten Notfall). Schlangen gehören komischerweise nicht dazu.

    Dummerweise bin ich jetzt in dieser Höhle, in der es außer Tropfsteinen, Spinnen und Fledermäusen nicht viel gibt. Da hilft als Arachnophobiker und Frau mit Fledermaus- und Platzangst nur eines: Zähne zusammenbeißen, Kopf einziehen, Mund geschlossen halten und Haare im Minutentakt nach Tieren abtasten. In Schonhaltung bin ich im Dämmerlicht umhergeirrt, immer in angstvoller Erwartung, dass sich jeder harmlose Wassertropfen von oben in einen sich auf meinen Kopf abseilenden Achtbeiner oder eine Kamikaze-Fledermaus im Sturzflug verwandelt.

    Beides nicht passiert. Und als mir mein Guide erzählt, dass sich auch manchmal Siebenschläfer in der Höhle breit machen, fühle ich mich fast schon wieder wohl. Denn dort, wo so süße pelzige Gefährten leben, kann es eigentlich gar nicht so übel sein…

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Hallo, Bildstörung!?

    19. März 2010

    Gestern habe ich im Radio gehört, dass die Deutschen im Durchschnitt täglich drei Stunden und 32 Minuten vor dem Fernseher sitzen – damit sind wir trauriger Spitzenreiter unter unseren europäischen Nachbarn.Zudem sei der Fernsehkonsum in den letzten Jahren angestiegen ( zum Vergleich: Im Vorjahr waren es drei Minuten weniger) – das Programm ist, wie im Blogeintrag ”Zehn Meter geh’n” diskutiert wurde, aber immer niveauloser geworden.

    Wie passt das zusammen? Und vor allem, wer hat Zeit, über 1/8 des Tages vor der Mattscheibe zu verbringen? Um diesen Durchschnitt aufrecht zu erhalten muss es Leute geben, bei denen den ganzen Tag lang der Fernseher läuft, vom Frühstücksfernsehen über Mittags-Talkshows bis hin zur Abend-Prime-Time. Noch schlimmer ist aber, dass auch immer mehr Kinder statt mit einer Gute-Nacht-Geschichte mit einer (wenn überhaupt) Kindersendung ins Bett gebracht werden, ein TV im Kinderzimmer scheint heute in vielen Familien dazuzugehören.

    Weltweiter Anführer unter den Fernseh-Junkies ist übrigens das Land der unbegrenzten (Un)Möglichkeiten, Amerkia. Die schauen nämlich vier Stunden und 40 Minuten am Tag in Röhre.

    Da bleibt nur zu sagen: “Oh, say can you see by the TV’s early light…”

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Finde den Fehler

    15. März 2010

    Bei meinem letztwöchigem Besuch einer Backstube eines Giengener Bäckers wurde mir mal wieder bewusst, dass Handarbeit definitiv nicht meine Stärke ist.
    Flechten ging in der Grundschule eigentlich immer gut, diesmal scheiterte ich aber schon kläglich an dreisträngigen Hefezöpfen. Der Teig verformt sich (nicht gerade zu seinem optischen Vorteil) und sieht dann irgendwie bollenhässlich und ungleichmäßig aus.
    Was aber noch schwieriger ist: Stinknormale Brezeln. In der Backstube wirbeln die Bäcker die Teigwürste sekundenweise in Form, ich habe mich da ein wenig blamiert.
    Sah eigentlich ganz einfach aus,den Teigstrang einfach ein wenig, nun ja, rumschmeißen halt.  Ein bisschen wirbeln und drehen – ganz so leicht war’s dann leider doch nicht.
    “Aha, Klavierhände”, hat der Bäckermeister gemurmelt. Keine Ahnung wie er das gesehen hat, vielleicht stellen sich alle Klavierspieler so trottelig an wie ich, ich hatte tatsächlich früher Klavierunterricht (An dieser Stelle erinnerte ich mich, dass meine Sportlehrerin in der achten Klasse genau dasselbe zu meinen Volleyball-Künsten gesagt hat).
    Bei meiner Ehre gepackt, ging’s dann – nach zahlreichen Versuchen -doch aufwärts mit der Backkunst:
    Hier eine meiner berühmten Palmbrezeln.

    Ich soll übrigens, falls ich das Bild veröffentliche, drunterschreiben, dass das hässliche Gebäck von mir ist. Um den Ruf des Bäckers nicht in den Dreck zu ziehen. Also, wer findet den “Fehler”?

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier


    Danke, Margarete!

    12. März 2010

    Als Volontärin aus dem “fernen” Heidenheim, die seit drei Monaten für das Ressort Giengen schreibt, entwickelt man doch schnell eine Art Stolz und Affinität für die große Kreisstadt, die bisher eher weniger im Fokus meiner Aufmerksamkeit stand.

    Gestern nehme ich das aktuelle Zeitmagazin zur Hand und entdecke in der Rubrik “Heiter bis Glücklich” ein kleines Stück regionale Verbundenheit:

    “Zu Ostern bringt die Firma Steiff eine neue Kollektion Stofftiere heraus, für uns ist der Kampf im Kinderzimmer gegen Prinzessin Lillifee damit entschieden”.

    Und fühle mich in zweierlei Hinsicht bestätigt:

    Erstens, weil man uns da draußen scheinbar doch kennt, in der großen weiten Welt (zumindest die Firma Steiff, aber ich rede mir ein, dass sich die Mehrzahl der interessierten Zeit-Leser über die Herkunft der Plüschtiere bewusst ist) 

    Zweitens weil der gute alte Teddybär scheinbar weiterhin den Kommerz-Spielzeugwahn in rosarot schlägt.

    Was denken unsere Blog-Leser, sollten Kinder mit Prinzessin Lillifee-, Hello Kitty-, und Hannah Montana-Produkten spielen?

      Geschrieben von Anna-Lena Buchmaier