Also gut. Achim Bullinger, der schillernde Ex-Heidenheimer mit den vielen Fans vor Ort, ist also auch auf arabischem Boden irgendwie angeeckt und verurteilt worden. Das stand dieser Tage (endlich) in der Zeitung. Und jawoll, man hat seit MONATEN darüber getuschelt. Hat’s die verschlafene Presse jetzt endlich auch mitbekommen?
Zugegeben, das klingt irgendwie wahnsinnig kritisch und aufgeklärt. De facto ist es aber Quatsch.
Auch wir haben seit MONATEN davon gehört, dass Achim Bullinger irgendwelche Probleme habe. Mal hieß es, er dürfe nicht mehr ausreisen, mal hatte man ihm den Pass abgenommen, mal war er in Haft und mal unter Hausarrest und mal war eben in Dubai auf dem Marktplatz geköpft worden. Pssst! Habt Ihr schon gehört?
Seriöse Medien und die Gerüchteküche - das passt durchaus zusammen. Das Problem ist aber, aus dem Gerücht mehr zu machen. Irgendwelche Geschichten kann jeder erzählen - wenn aber die Druckerschwärze ins Spiel kommt, sollte etwas “Wurst auf dem Brot” sein, wie wir Journalisten sagen.
Das hat bei Bullinger ewig gedauert. Man ruft ihn an. Er dementiert (Karin Fuchs hat das in dem Artikel beschrieben, blättert auf www.hnp-online.de oder holt Euch endlich ein Abo) und erzählt ganz andere Sachen. Man fragt Freunde, die auch dementieren. Woher soll eine ordentliche Bestätigung kommen? Ich selbst hatte irgendwann jeden ausgelacht, der mir die Bullinger-Geschichte erzählte. Karin Fuchs indes wurde stutzig, als Bullinger den zweiten oder dritten Besuch in Heidenheim absagte, und schließlich hatte sie die Idee mit dem Auswärtigen Amt. Super … die Frau lässt eben nicht locker.
Man darf über diesen Coup aber auch nicht vergessen, dass 99 Prozent aller Gerüchte Blödsinn sind. Daran ändert sich auch nichts, wenn man sie über Monate oder gar Jahre hört. Acht Jahre lang machte zum Beispiel der C&A in Heidenheim zu. Immer wieder und wieder: “Pssst! Wisst Ihr schon?” Acht Jahre habe ich bestimmt 30mal den Marktleiter angerufen, jedesmal war es Unfug.
Oder Leonhard S. der Messerstecher vom K 2. Fast ein Jahr lang wurde kolportiert, er sei tot. “Hat sich in der Zelle erhängt” - “wurde von Russen erdolcht” - “hatte Krebs”. Auch hier das gleiche Spiel: Immer wieder die Polizei angerufen, immer wieder in Berlin (dort war der Knast) recherchiert - immer wieder Fehlanzeige.
Oder die Memminger Wanne in Giengen: Angeblich haben ja der einstige Giengener OB und ein Bauunternehmer russlanddeutsche Einwanderer ”persönlich mit dem Bus am Flughafen” abgeholt, um den Giengener Stadtteil zu errichten. Hat jemand Beweise? Auch der Straßensrich in den Tiefgaragen des Viertels stellte sich leider als kompletter Blödsinn heraus.
Oder das Cross-Border-Leasing der Stadt Heidenheim in Sachen Abwassernetz: Zwischen 2008 und 2010 haben uns schätzungsweise 200 Menschen mitgeteilt, dass der Deal geplatzt sei - er lebt aber und ist weiterhin wohlauf. Das hat nichts damit zu tun, ob man das gut findet oder nicht.
Ich könnte wahrscheinlich noch fünf Bildschirme lang so weitermachen. Aber ich wollte nur erklären, warum wir Gerüchten mit einer gesunden Skepsis begegnen. Dass wir all die Informationen nicht überhaupt in die Tonne treten, liegt an den seltenen “Treffern”: Als Voith in Heidenheim dereinst beschloss, sein neues Hauptquartier nicht zu bauen, gab es monatelange Gerüchte - die letztendlich wahr waren. Und bei Achim Bullinger lagen die Gerüchte wohl auch nicht so daneben.
Grund genug, auch weiter auf Gerüchte zu hören - dann aber auch mit ihnen zu arbeiten. Wenn am Ende eine belastbare Quelle zu finden ist, hat es sich gelohnt. Wenn nicht, dann weg damit. Ich sage das auch als jemand, der für den Lokalteil unserer feinen Blätter in den Knast wandern könnte.
Und dort am Ende Achim Bullinger trifft…